Sonntag, 23. März 2014

Zu Besuch beim Schweizer des Jahrhunderts

Ein achtjähriger Zweitklässler ruft seinen Kinderarzt an:

Der Zweitklässler „Herr Dokter, es gaht mer nöd so guät
Der Kinderarzt „Gäll, du häsch doch eifach kei Bock zum id Schuäl ga...

Der Zweitklässler „ääääääähhhmmm ja“
Der Kinderarzt: „Ich schrib der es Zügnis, dänn chasch e Wuche dihei blibe. Gib mer dis Mami, ich sägs em!“


Der Zweitklässler, das war ich. Der Kinderarzt: Dr. Beat Richner. Ein grosses Herz für Kinder hatte er schon immer, schon weit vor er 1992 nach Kambodscha zog und dort begann das scheinbar Unmögliche zu realisieren. Damals war ich sehr traurig, dass mein geliebter Kinderarzt die Schweiz verliess, ich mochte ihn sehr. Inzwischen bin ich voller Bewunderung, Anerkennung und Dankbarkeit für sein Lebenswerk. Über 100‘000 Kinder werden inzwischen jährlich in den Spitälern Kantha Bopha I, II, IV und V in Phnom Penh sowie Jayavarmann VII  in Siem Reap behandelt. Kinder, die ohne den Einsatz von Dr. Richner und seinen fast ausschliesslich einheimischen 2‘500 Mitarbeitern häufig keine Überlebenschance hätten.

Mein Reisebegleiter Sedi und ich haben die Einwohner Kambodschas als sehr freundlich erlebt. Kaum je haben wir einen Kambodschaner gesehen, der die Beherrschung verlor und auch die Schulkinder machten sich Vormittags mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf den Schulweg. Kambodscha ist ein vom Krieg und den Gräueltaten der Regierung der roten Khmer in den 70er-Jahren arg gebeuteltes Land. So wurde in den letzten 20 Jahren die Infrastruktur für den Tourismus erst aufgebaut und ein grosser Teil der Bevölkerung lebt nach wie vor in Armut; Familien müssen sich teilweise von einem Einkommen von weniger als einem Dollar pro Tag ernähren. In diesem Umfeld kämpft der Mann, der 2002 verdientermassen zum ersten „Schweizer des Jahres“ gekürt wurde, seit über 20 Jahren für eine gerechte medizinische Behandlung für die Kinder aller Familien. Sämtliche Behandlungen in seinen Spitälern sind kostenlos und der Betrieb wird mehrheitlich durch Spendengelder von privaten Spendern sichergestellt. Trotz seines einzigartigen Engagements befindet er sich in ständigem Konflikt mit internationalen Gesundheitsorganisationen, welche die Prämisse pflegen, dass ärztliche Behandlung kostenpflichtig sein muss. Eine Prämisse, die in der Tat ungerecht erscheint, bedenkt man dass sich in vielen Ländern dieser Welt ein Grossteil der Bevölkerung eine kostenpflichtige Behandlung schlicht nicht leisten kann. Dr. Richner ist ein unermüdlich kämpfender Idealist und die Welt braucht Menschen wie ihn, denn wie er immer wieder betont wird es „ohne Gerechtigkeit auch keinen Frieden geben“.

Der Kinderarzt Beat Richner ist in der Schweiz seit 43 Jahren auch als „Beatocello“ bekannt. Während er früher hierzulande als Komiker mit seinem Cello die Kinder unterhielt, gibt er heute in Kambodscha, der Schweiz und den USA Konzerte, welche dank der Einnahmen massgeblich zum Betrieb der Spitäler beitragen. Zusammen mit Sedi, dessen Vater im Übrigen auch ein bekannter Cellist ist der unter Anderem im Film Titanic mitgespielt hat, ging ich am Samstag 01. März ans Konzert vom Beatocello in seinem Spital Jayavarmann VII in Siem Reap. Dr. Richner spielte ca. eine Stunde lang auf seinem Cello und erzählte humorvoll aber bestimmt über den Betrieb seiner Spitäler und die grossen Herausforderungen, welche er seit über 20 Jahren in Kambodscha meistert. Im Anschluss an das Konzert baten Sedi und ich, Dr. Richner kurz persönlich zu sprechen, um ihm unsere mitgebrachte Spende zu übergeben. Er bedankte sich für unsere Spende und zog dann weiter, um sich den nächsten Herausforderungen zu widmen.

Danke, Dr. Beat Richner!!!
In freudiger Erwartung des Konzerts von Dr. Beat Richner
beim Jayavarmann VII Spital in Siem Reap

Auch nach 43 Jahren spielt Beatocello noch mit viel
Leidenschaft und Herzblut für die Kinder Kambodschas

Treffen mit meinen ehemaligen Kinderarzt nach dem Konzert


„Ich lasse das Cello sprechen, die Stimme des kambodschanischen Kindes“
Dr. Beat Richner, Schweizer des Jahres 2002
http://www.beat-richner.ch

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