Montag, 14. Januar 2013

Asian Adventures, Part 2

Singapore revisited

Erst gerade von Kambodscha zurück in Singapur gelandet, ging ich am Abend des 23.11.2012 mit Alph in die Banana Blue Bar in den berühmtberüchtigten Orchard Towers, wo ich meinen alten Snookerkollegen John Dangerfield traf. John spielte einst für die österreichische Nationalmannschaft und wir duellierten uns jährlich am Ländervergleichskampf. An diesem Abend fand in der Banana Blue Bar ein Poolturnier statt, an welchem Alph und ich dann auch teilnahmen. Während Alph in der ersten Runde des Plauschturniers leider bereits die Segel streichen musste, kämpfte ich mich im Feld von 16 Teilnehmern bis ins Finale, wo ich ausgerechnet auf meinen Kollegen John traf. Mein alter Snookerfreund packte die Gelegenheit, sich für sämtliche Niederlagen am Ländervergleichskampf (so es denn die gegeben haben sollte...) zu revanchieren. John, der mit seiner philippinischen Frau seit einigen Jahren in Singapur lebt, liess mir im Finale keine Chance und sicherte sich die Siegertrophäe. Für den Gewinn des Plauschturniers bekam er eine Flasche Bourbon, mal was Vernünftiges!



Trotz einwandfreier Technik reichte es Alph am Plauschturnier
in der Banana Blue Bar nicht, um die erste Runde zu überstehen

Im Finale musste ich mich meinem alten 
Snookerkollegen John geschlagen geben

Nach dem Poolturnier zogen Alph und ich weiter, um in einer gemütlichen Bar am Fluss einige seiner Freunde zu treffen. Mit ein paar Jungs aus Australien und Max aus Österreich gingen wir dann ins Pangaea, einen der nobelsten Clubs in Singapur. Die Expats organisierten dort den Eintritt für uns und die Flasche Goose für rund 400 Dollar ging auf Unterhaltungsspesen (thanks for the booze, guys!). Die fünf Mal so grosse 3.5 Liter Flasche kostet im Übrigen 3‘500 Dollar, wird aber dennoch rege vom Partyvolk bestellt, so viel zur vorherrschenden Dekadenz im Pangaea. Nachdem die Flasche Goose geleert war, zogen wir weiter ins Brix, wo eine weitere Flasche Premiumwodka (dieses Mal wurde Belvedere ausgesucht) auf Unterhaltungsspesen bestellt wurde. Dieses Lokal machte auf mich trotz Livemusik einen eher sterilen Eindruck, das Ambiente wirkte ein wenig künstlich und die weiblichen Besucherinnen waren zumeist auf Kundensuche… Alph und ich liessen den Abend anschliessend mit einigen Bier in einer weiteren Bar (woran es wohl liegt, dass ich den Namen dieser nicht mehr weiss...) ausklingen.

Alph mit Begleitung; die Flasche Belvedere
ging auf Unterhaltungsspesen der Expats

Am 24.11 schliefen wir aus, ehe ein langer Pokertag im Resorts World Casino auf dem Programm stand. Am 25.11 gingen wir dann am Nachmittag in die Roo Bar an der Orchard Street und trafen dort Alph’s australischen Kumpel Simsy, der einige Rennpferde besitzt und somit jedes Wochenende gespannt die Rennen verfolgt (mit Gespür für schnelle Galloppierer lässt sich gut Geld verdienen). Jerome aus Vanuatu gesellte sich noch hinzu und wir zogen nach einigen VB’s in der Roo Bar und einer gemütlichen Pokerrunde unter Freunden weiter in die Orchard Towers, wo am Sonntagnachmittag jeweils die "Tea Party" stattfindet. Wie der Name schon suggeriert, fliesst hier das Bier in Strömen… Ich habe noch an keinem Ort dieser Welt eine so crazy Party an einem Sonntagnachmittag gesehen, sämtliche Bars in den Orchard Towers waren prallgefüllt und insbesondere die Mädchen wild am Tanzen. Das Konzept der Tea Party baut darauf, dass die meisten Gastarbeiter (diese kommen insbesondere aus Indonesien und den Philippinen, jedoch auch aus anderen asiatischen Ländern wie Vietnam oder Indien) am Sonntag ihren einzigen freien Tag haben. Den freien Nachmittag nützen sie, um Party zu machen und neue Leute kennen zu lernen, ehe sie am Sonntagabend wieder zur Gastfamilie zurückkehren müssen. So wird die Tea Party auch jeweils zur wohl unkompliziertesten und grössten Kontaktbörse Singapurs. 

Mit Alph an der Tea Party, gleich mal
für ausreichend Biernachschub gesorgt

Alph mit seiner Lieblingskellnerin Joyce

Am 26.11 war ich früh wach und bereit für eine Stadtbesichtigung. Ich startete bei der Elgin Bridge und spazierte dem Fluss entlang via der bekannten Aussichtsplattform, wo der Merlion, das Wahrzeichen von Singapur steht, zum Marina Bay Sands Hotel. Im Luxusbunker, der in der Windeseile von 12 Monaten gebaut wurde, besuchte ich dann auch die Aussichtsplattform auf dem Dach, der grosse Pool- und Gartenbereich war jedoch nur für Hotelgäste zugänglich. 

Der Merlion, das Wahrzeichen von Singapur

Das Marina Bay Sands, bestimmt eine der
eindrücklichsten Bauten der modernen Welt

Aussicht vom Dach des Marina Bay Sands über die
Wohngegenden Singapurs und die Formel 1 Rennstrecke

Die Skyline Singapurs vom Marina Bay Sands aus gesehen

Am Abend ging ich zum Zocken wieder ins Resorts World (das Marina Bay Sands bietet auch ein Casino, jedoch finden dort keine Pokerpartien statt). Da es mir in Singapur beim Spielen jedoch einfach nicht laufen wollte, verordne mir am 27.11 einen Tag Pokerpause. An diesem Tag chille ich gemütlich zuhause und gehe zum Shoppen an die bekannte Orchard Road, wo sich ein Einkaufszentrum an das nächste reiht. Trotz der vielen Einkaufsmöglichkeiten gefällt mir das Shoppen aber in den USA insgesamt besser. Am Abend gönne ich mir mit Alph ein all you can eat Steakdinner beim Brasilianer, ehe wir für ein paar Drinks in eine der höchsten Rooftop Bar Singapurs gehen, wo wir auch die Aussicht auf den Financial District und das Marina Bay Sands geniessen. Anschliessend ging ich früh schlafen, da am nächsten Tag die Weiterreise nach Macau anstand.

Die berühmte Orchard Road, bereits im vorweihnachtlichen Design

Aussicht von der höchsten Rooftop Bar Singapurs

Macau, the Asian Gambling Capital

Zehn Mal so viel Umsatz wie die Casinos in Las Vegas sollen diejenigen in der nahe von Hong Kong gelegenen, ehemaligen portugiesischen Kolonie jährlich abwerfen. Diese Angabe stammt aus unbestätigten Quellen, als ich jedoch sah wie in Macau tagtäglich mit Einsätzen von mehreren durchschnittlichen Jahreseinkommen gespielt wurde, begann ich dies aber zu glauben...

Meine Reise in die Zockermetropole Asiens begann mit einem Schock. Einmal vor der Abreise auf die minutiöse Verteilung meines in 100 Dollar Noten gehaltenen Pokerinvestitionskapitals verzichtet, suchte ich einen Teil meiner Dollarbills bei der Ankunft vergeblich in meiner Tasche. Somit war meine Bankroll (so bezeichnen wir in der Pokersprache das zur Verfügung stehende Spielkapital) für die vier Tage in Macau praktisch halbiert. Nun ja, "live and learn“, ab sofort werde ich auf jeder Reise wieder besser auf mein Spielkapital aufpassen. Was war passiert? Das weiss ich nicht und ich hatte die Tasche auch immer an mir, irgendwie ist es jedoch den dreisten Dieben gelungen, mich auszutricksen. Sei es wie es sei, ich legte mich einen kurzen Moment hin und erinnerte mich an das Lebensmotto, welches mir ein Geschäftsmann an einer Flughafenbar verriet, als ich auf der Heimreise von Puerto Rico kurz vor meinem 27. Geburtstag groundete und mir bewusst wurde, dass meine eigene Geburtstagsparty ohne mich steigen würde: "It’s not what happens to you in life, it’s what you make out of it." In diesem Fall hiess dies für mich abhaken, nach vorne schauen und lasse das Pokerabenteuer Macau beginnen!

Ich startete am Abend des 28.11. mit einem Besuch des Wynn Macau. Dieses wirkt von innen erschreckend ähnlich zum Wynn Las Vegas und ist nur daran zu unterscheiden, dass die Wegweiser auch auf Chinesisch angeschrieben sind. Gespielt wird in Wynn in einem Pokerraum von 10 Tischen Levels von 25/50 (das entspricht in etwa 3/6 CHF) bis zu 5000/10000 (ja, hier konnte man in der Tat zuschauen wie die Highroller sich mitten im Pokerraum duellierten). Der Rake ist wie in allen Casinos von Macau mit minutiös berechneten 5 % oder maximal 200 HKD (ca. 25 CHF) relativ hoch, jedoch gibt man auch hier kein Trinkgeld für gewonnene Pots, Essen und Getränke (alkoholfreie Getränke sind kostenlos).

Beim 50/100 Spiel lernte ich James aus Oceanside, Kalifornien, kennen. Er ist ein ehemaliger Footballspieler, der im College unter anderem mit der unlängst verstorbenen Verteidigerlegende Junior Seau gespielt hatte. Spontan entscheide ich mich, mit James und seiner Begleitung Kate aus Thailand auszugehen. Der im Hard Rock Hotel gelegene Club Cubic sollte unser Ziel sein. Das Cubic gilt als der beste Night Club von Macau, einen Ruf dem er an diesem Abend auch nichts schuldig blieb. Mit James und Kate organisierten wir uns einen Tisch und tranken bis früh morgens zu Dritt zwei Flaschen Goose. Eine Menge Booze, auch wenn uns einige der anwesenden Gäste (es war Ladies Night) dabei halfen. 

Aussicht auf das nächtliche Macau vom Wynn aus

Gelungener Partyabend mit James im Cubic Nightclub von Macau

Der 29.11 beginnt für mich mit Hangover Poker im Starworld Hotel. Das Starworld bietet einen geräumigen, angenehmen Pokerraum mit 10 Tischen und als einziges der Casinos auch kostenloses WLAN. Die Partien sind jedoch eher kleiner und die 50/100 Partie läuft hier nur zeitweise. Nachdem ich einen Bad Beat (Pokersprache für einen verlorenen Pot, in welchem man als klarer Favorit eingestiegen ist) kassierte, ging ich noch etwas weiter schlafen und spielte am Abend wieder im Wynn.

Den 30.11 starte ich mit einer kurzen Shoppingtour und anschliessendem Sightseeing. Ich sah die Festung und Ruinen, welche mich nicht sonderlich beeindruckten. Schöner fand ich die Stimmung im vorweihnachtlich dekorierten Stadtzentrum. Am Abend fuhr ich nach ein paar Stunden spielen im Starworld ins Venetian Macau, das grösste Casino der Welt. Auch dieses beherbergt einen Pokerraum mit 10 Tischen und nebendran (freu!) hat es einen 24 Stunden geöffneten Starbucks. Ich traf dort auch meinem Kumpel Daz wieder, mit welchem ich nach der Pokersession noch einige Drinks in der Bellini Lounge genoss.


Vorweihnachtlicher Kitsch im Zentrum von Macau

Der prunke Eingangsbereich des Venetian Macau,
das grösste Casino der Welt

Am 01.12 begann ich am Nachmittag wieder mit einer Session im Starworld, vor ich mir am Abend mit Celia aus China in der schick eingerichteten Whisky Bar des Starworld einen Drink genehmigte. Anschliessend spielte ich noch einige wenige Stunden im Wynn, wo mein erstes gelungenes Macau Abenteuer dem Ende zugehen würde.

Nachdem ich meine Hong Kong Dollar in harte Währung zurückwechseln konnte, flog ich am 02.12 zurück zu Alph nach Singapur und wir zogen an diesem Sonntagnachmittag abermals durch die Bars rund um die Orchard Towers. Am 03.12 bot sich mir dann die Gelegenheit, ein letztes Mal ins Resorts World Casino zu gehen und es gelang mir auch, meine Asienbilanz noch etwas aufzubessern. Insgesamt durfte ich die Reise (den ärgerlichen Verlust auf der Reise nach Macau nicht eingerechnet) trotz Startschwierigkeiten leicht in den schwarzen Zahlen beenden, was mich zuversichtlich für die kommenden Pokertrips stimmt. Nach der Verabschiedung von Alph flog ich in der Nacht vom 04.12 zurück in die Heimat. Dort würde ich Weihnachten mit der Familie verbringen, Sylvester und meinen 32. Geburtstag mit meinen Freunden feiern, ehe im 2013 die nächsten Reisen anstehen würden. Zuerst wird mich die Reise ins aufblühende Dubai führen, vor es mich nach einem Abstecher nach Österreich an die CAPT in Seefeld und nach Salzburg wieder nach Kalifornien zieht. Auch meine zweite Asienreise werde ich gewiss im 2013 planen. Ein aufregendes Jahr steht bevor! So long… Martin

Winterliche Tage in der Schweiz, vor es
mich im 2013 wieder an die Wärme zieht


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