Sonntag, 4. November 2012

Poker ist Lifestyle - Living the Californian Dream

Los Angeles, here we come

Los Angeles, die Wahlheimat zahlreicher Stars und Sternchen, würde für die kommenden Wochen unser Zuhause sein. Neben Ausflügen an die bekannten Strände der zweitgrössten Stadt der USA und dem Besuch diverser Sportveranstaltungen hiess es für Oliver, den ich am 20.09.2012 am LAX abholen würde, und mich in L.A. auch "Back to Business". In den fünf grossen Casinos der Unterhaltungsmetropole würden wir die Abende und Nächte beim Pokern verbringen. Das Commerce Casino als grösstes Casino Kaliforniens bot auf 120 Pokertischen ein fast unendliches Angebot an Spielen und Limits. Nebenbei lockten das Hawaiian Gardens, das Bicycle, das Hustler Casino und das Hollywood Park ebenfalls mit je über 50 Tischen. Nur schon für das Pokern ist Los Angeles ohnehin allemal eine Reise wert, denn die Partien bieten zumeist viel Action, sind viel schneller als in der Schweiz (es werden fast doppelt so viele Hände pro Stunde gespielt) und das Essen und alkoholfreie Getränke sind in den höheren Limits gratis. Zudem lernt man wie in Vegas interessante Persönlichkeiten am Pokertisch kennen. Generell wird hier mehr miteinander gesprochen als in Europa. Das Hauptthema ist im Land wo jedermann im Schnitt zwei Fantasy Football Teams coacht, natürlich der Sport.  Es wird jedoch auch des Öfteren über das Tagesgeschehen und andere Aktualitäten gesprochen. Zur Einstimmung auf meinen Bericht über die Tage in Kalifornien eines der klischeehaftesten dieser Gespräche, welches sich eines Abends mit einem meiner Widersacher am Pokertisch abspielte. Ich nenne ihn mal Joe.

Joe: „Where are you from“
Martin „Switzerland
(…)
Joe: „I heard there are practically no immigrants in Switzerland. They just don’t let them in.”
Interessant… Erzähl das mal einem SVP-Hardliner! Naja, lassen wir Joe mal weiter sprechen…
Joe: „Nobody opens companies in Switzerland. There’s no business there.”
Hä? Die Schweiz hat ja wohl noch eine der stabilsten Wirtschaften und auch an Unternehmern mit Ideen fehlt es uns nicht! Ok, Joe, erzähl weiter…
Joe: „Even IKEA is considering moving from there.“
Ah, ok! In Schweden gibt es wirklich nicht so viele Immigranten… :-)

Doch nun alles der Reihe nach…

Am Nachmittag des 19.09.2012 fuhren Pascal und ich los in Richtung Los Angeles, wo ich für die nächsten drei Wochen eine Wohnung gemietet hatteDie Strecke von Las Vegas nach Los Angeles ist eine eher langweilige Fahrt durch die Wüste und kurz vor dem Ziel erwischten wir dann auch noch einen langen Stau. „Welcome to LA“ schrieb mir mein Vermieter Al, als wir ihn über die weitere Verspätung informierten. Staus sind hier trotz vier- oder fünf-, manchmal sogar sechs- oder siebenspuriger Autobahnen alltäglich. Diesen Stau gemeistert fanden wir dann schnell unsere Wohnung im Stadtteil Playa del Rey, in der Nähe der noblen Hafengegend Marina del Rey und ca. 10 Minuten vom Strand entfernt, und treffen dort unseren Vermieter Al. Würden wir uns später in Venice Beach mit dem fast zwei Meter grossen Mann mit Cowboyhut anfreunden, erschien er uns auf den ersten Blick als einer der kurligsten Typen, den wir je kennengelernt haben. Al fährt eines dieser uns aus Texas bestens bekannten "Mörderautos", ein Pick-Up mit grosser Ladefläche. wo er neben viel Grünmist auch Werkzeuge wie Kettensägen gelagert hatte. Kommt er in etwa aus dem Lone Star State? Nein, Al heisst mit richtigem Vornamen Alfred Hans und kommt aus Connecticut mit deutschen Vorfahren. Die Kettensägen hat er da er von Beruf Förster ist und der Pickup ist das Geschäftsauto seines Business "Al's Landscaping".

Vor er sich verabschiedete, führte uns Al noch durch den Resort in Playa del Rey mit Sauna, Swimming Pools, Tennisplätzen, Fitness Center sowie Aufenthaltslounge mit Pooltischen. Unsere Wohnung lag in einem der vielen Resortanlagen von L.A., ein dort üblicher Wohnstil bekannt z.B. aus der TV-Serie Melrose Place, wobei unsere Residenz natürlich nicht ganz so luxuriös war. 

Nach der Führung durch den Resort machten sich Pascal und ich uns auf den Weg nach Marina del Rey, wo wir uns ein Sushidinner gönnten, welches uns beide vom Sitz riss! Logisch, kommt ja hier auch alles direkt vom Meer. Nach einem nächtlichen Spaziergang durch Marina del Rey – wir waren hier weit und breit als einzige zu Fuss unterwegs, in L.A. wird nur Auto gefahren, egal wie kurz die Strecke noch sein mag – fanden wir auf dem Weg nach Venice Beach eine Bar mit zwiespältigen Gestalten. Wir entschieden uns darum einige Bierchen zu kaufen und diese gemütlich auf dem Balkon unserer Wohnung zu trinken, wo wir auf das Ende unseres ereignisreichen Roadtrips anzustossen konnten.

Mit meinen Mitbewohnern der kommenden drei Wochen
in der Wohnung in Playa del Rey

In der Nähe der noblen Hafengegend Marina del Rey
würde für die kommenden drei Wochen unser Zuhause sein

Playa del Rey liegt in der Nähe des Flughafens LAX,
die Flugzeuge fliegen hier ganz tief drüber

Am 20.09 unternahmen Pascal und ich eine Spritzfahrt durch die berühmte Touristenfalle Hollywood Boulevard, ehe ich Pascal im Ritz Carlton Marina del Rey ablud (Corporate Benefits sei wieder mal Dank) und zum Abholen meines Pokerkollegen Oliver an den Flughafen weiterfuhr. Zuerst hiess es dort mal Abgeben unseres treuen Wegbegleiters und Mieten eines neuen Autos für die Tage in L.A. Wieder bei der gleichen Mietwagenfirma angedockt, reichten die zwei Wochen Cabriomiete für einen Upgrade und ich bekam statt einem Fullsize Modell ein Premium Modell. Die nächsten Wochen in L.A. durften Oli und ich mit einem Chevrolet Impala mit 3.6l V6 Motor, 305 PS und Lederausstattung über die mehrspurigen Autobahnen der Metropole flitzen.

Danach erwartete ich Oli in der Ankunftshalle und ich machte mir schon Sorgen, als die ankommenden Passagiere der Flüge aus Istanbul und Taipeh bereits da waren, ich jedoch noch warten musste. Oli musste lange an der Immigration warten, kam jedoch dann glücklicherweise in der sich leerenden Ankunftshalle an und war dank Business Class upgrade auch ausgeschlafen. So konnten wir bald schon in Richtung Ritz aufbrechen und dort Pascal zum Apero treffen. Anschliessend ging es zum Burgerdinner (Burger und Sushi lassen sich modern auch kombinieren) in Marina del Rey und in den Ausgang an den Hermosa Beach Pier. Nach der Heimfahrt verabschiedete ich mich von meinem Reisebegleiter der letzten Wochen. Pascal würde am Folgetag die Rückreise in die Schweiz antreten würde.

Am 21.09 gingen Oli und ich zum Einkaufen in den Trader Joe’s und anschliessend das nahe gelegene Crossfit anschauen, wo wir gleich vom Inhaber David begrüsst wurden. Oli entwickelte gleich Vorfreude auf sein erstes Workout, konnte mich jedoch (für diejenigen, die mich kennen, keine Überraschung) nicht zu einem Mitmachen bewegen. Am Folgetag stand ein Besuch des College Football Spiels der UCLA Bruins an, die ihre Heimspiele in der Rose Bowl, einem der prestigeträchtigsten und grössten Sportstadien der USA (Kapazität 92'500 Zuschauer) austragen. Bei grosser Hitze verfolgten wir am Nachmittag die knappe und überraschende Niederlage der Bruins gegen die Oregon State Beavers. College Football ist spannend und hat dank der Animation durch die heimischen Studenten (Cheerleader, Band, etc.) seinen eigenen Flair. In der Pause sorgten über 1000 junge Musiker der UCLA Band und der lokalen High Schools auf dem Rasen für Unterhaltung. Die Atmosphäre ist zudem friedlich, vereinzelte Gästefans sitzen ungestört im Heimsektor (stellt euch das im Schweizer Fussball oder Eishockey vor) und für Speis und Trank ist wie an allen Sportveranstaltungen in den USA gesorgt. 


Die UCLA Bruins gegen die Oregon State Beavers in der mit
geschätzten 70'000 Zuschauern gefüllten Rose Bowl in Pasadena

Spot the football in the Air? UCLA muss punten und die orange-weissen
Beavers kriegen den Ball vor den Augen ihrer Fans aus Oregon

Pausenunterhaltung in der Rose Bowl mit den High School Bands der Region

You have seven minutes to finish your beer…

Am 22.09 besorgten wir uns in Venice Beach Fahrräder. An der gesamten, sich über dutzende Kilometer erstreckenden Strandpromenade sind Fahrradwege gebaut, was zum gemütlichen Biken dem Strand entlang animiert. Die kommenden Tage verbrachten wir mit nächtlichen Pokersessions. Wir spielten jeweils bis in etwa sechs Uhr morgens, um noch vor der berüchtigten Rush Hour nach Hause zu fahren. Nach dem Aufstehen nachmittags und dem Frühstück gingen wir häufig für etwas Sport, Rad fahren und joggen, an den Strand bzw. ins Crossfit, vor wir uns Abends in Casino aufmachten. Gespielt wird in allen Casinos rund um die Uhr und zu Essen gibt es auch 24 Stunden lang. Einzig Alkohol darf, wie überall in Kalifornien, nur bis zwei Uhr morgens getrunken werden. Verdutzt schaute ich aus der Wäsche, als die Kellnerin zu mir kam „you have seven minutes to finish your beer“. Trinke ich zu langsam? Nein, Punkt zwei Uhr muss alles vom Tisch sein, auch keine Hamsterbestellungen gibt es dann mehr… Für mich als Pokerspieler nicht unbedingt ein Nachteil, denn so konnte ich mir um ein Uhr morgens ein Bierchen genehmigen ohne die Gefahr der Versuchung des Gerstensaftes zu erliegen und zudem kamen nach zwei Uhr die Leute reichlich angeheitert von den Partys zurück und mischten sich wieder unter das Pokervolk. 

Oli mit dem Fahrrad am Strand unterwegs

Playa del Rey in der Abenddämmerung

Am 26.09 reisten wir vor dem Pokern nach Anaheim, wo wir uns das Baseballspiel der Angels gegen die Seattle Mariners anschauten. Neben dem Star der einheimischen Angels, Albert Pujols, dem vielleicht besten Baseballspieler der Gegenwart und Felix Hernandez, dem Starpitcher der Gäste aus Seattle bot der Angels Ballpark wie erwartet auch viel Fastfood. Dieses wurde insbesondere vom Sponsor Wienerschnitzel geliefert. Der verkauft jedoch keine feinen Schnitzel, sondern mastige Hot Dogs, it's America…  


Albert Pujols, der beste Baseballspieler der Gegenwart,
at bat im Angels Ballpark von Anaheim
Die nächsten Tage verbrachten wir wieder mit Pokern, ehe wir am 30.09 den ersten freien Tag genossen. Da es uns beiden in der ersten Woche super lief, gönnten wir uns zur Feier ein Steakdinner im Mastro’s Steakhouse mitten in Beverly Hills. In Beverly Hills, der noblen Gegend und Wahlheimat vieler Promis, kann man auf der Strasse spazieren ohne sich zu fürchten. Scherzhaft stellten wir fest, dass es hier eine Todsünde ist, mit wenig Geld herumzulaufen, währenddem es in anderen berüchtigten Gegenden L.A.'s wie Inglewood oder Compton fatal ist mit viel Geld herumzulaufen. Im Mastro’s soll an den Wochenenden die Prominenz aller Klassen ein und aus gehen. An diesem Sonntagabend trafen wir höchstens die "Cervelatprominenz", viele junge reiche Männer mit ihren "Trophy Wifes", der Besuch im Steakhouse lohnte sich aber auch nur schon wegen dem superzarten Bone-In Filet und dem Top Service. Und dies alles für einen Preis, der auch nicht höher ist als in New York oder Zürich. 

Am 01.10. machten wir einen Ausflug zum Manhattan Beach mit unseren Fahrrädern. Ein wenig "sünnele" und ein Seafood Lunch standen auf dem Programm, ehe wir unsere freien Tage mit einem gemütlichen Abend zuhause mit ein paar Drinks abrundeten.

Am 02.10. begann dann für uns das Grinden wieder. Wir spielten zumeist im Commerce Casino, wo das Angebot an Pokerpartien mit Abstand am grössten war. Während Oli zumeist beim Pot Limit Omaha mit dem Unabomber Phil Laak, Freddie Deeb, Vanessa Selbst und ein paar weiteren Bananen anzutreffen war, spielte ich die grösseren No Limit Holdem Partien. Gelegentlich gingen wir auch ins Hawaiian Gardens Casino, wo man mit einem geringen Einsatz (5/5 No Limit, 5/5 PLO oder 20/40 Limit) bereits zu den Highrollern gehörte und in den Genuss von gratis Essen kam. Das Essen war hier auch sehr gut, Fleischgerichte, Seafoodgerichte und jede Menge Früchte wie Hawaiianische Papayas sorgten dafür dass uns die Energie nicht so schnell ausging und unser Gehirn bis zum nächsten Morgen durchhielt. 

 I am from Austria, from se mauntens…

Dieses Mal zockten wir nur eine kurze Viertagewoche lang bis zum Freitag, 05.10, da wir für den Samstag Pläne zum Fussball und einem Ausflug ans Oktoberfest hatten. Es ging los mit dem Fussballspiels der LA Galaxy gegen Real Salt Lake. Dia Galaxy mit ihren Stars David Beckham, Robbie Keane und Landon Donovan spielt in einem für amerikanische Verhältnisse eher kleinen Stadion, jedoch im typischen Stil mit viel Bier, Pizza und Hot Dogs. Ebenfalls innovativ eine Rasenfläche hinter dem Tor wo man das Fussballschauen und sich bräunen in der Nachmittagssonne kombinieren kann. Fussball hat in den USA nach wie vor einen eher geringen Stellenwert, geschätzte 20'000 Zuschauer kamen zum Spiel und spendeten insbesondere dem grossen Star Becks Mal für Mal einen Szenenapplaus. Auch hat sich eine kleine Fangruppierung mit Sprechchören im europäischen Stiel gebildet. Das Spiel war am Anfang offensiv und spektakulär, flachte jedoch nach dem 2:1 für die Gäste aus Utah etwas ab. Bei diesem 2:1 blieb es auch bis zum Schluss und die Galaxy mussten eine Heimniederlage einstecken.



Die LA Galaxy feiern das Führungstor durch Robbie Keane gegen Real Salt Lake.
Das Spiel geht am Schluss jedoch 2:1 verloren.

David Beckham beim Eckball, wo er Mal für Mal Sonderapplaus erntete

Nach dem Fussballspiel ging es sofort weiter nach Huntington Beach, wo im Old World German Restaurant das grösste Oktoberfest von L.A. stattfindet. Das Festzelt dort ist ziemlich gross und zudem gab es einen grossen Aussenbereich mit Bier- und Bratwurstständen (die Bratwurst gibt es hier als Hot Dog im Brötchen, it’s America!). Kaum waren wir fünf Minuten da, wurde DJ Ötzi angekündigt. Auf dem Plattenteller, dachte ich… Doch dann stand er wirklich da auf der Bühne, Anton aus Tirol in Person! Nach einer kurzen Vorstellung „I am from Austria, from se mauntens“ ging es los mit „Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin der Anton aus Tirol“, „einen Stern, der deinen Namen trägt“ und den weiteren grossen Hits. Nach der Show mischte sich er sich dann persönlich unters Volk um Tips (Trinkgelder) zu sammeln, was mir die Gelegenheit bot ein paar Worte mit Anton aus Tirol zu quatschen. Er sei schon das dritte Jahr hier und es gefalle ihm sehr, obwohl ihn hier kaum einer kennt. 

Das Bier am Oktoberfest kam übrigens wirklich aus Bayern, wurde jedoch leider nicht in Masskrügen sondern in Plastikbechern serviert. Gemäss Ötzi eine leider notwendige Sicherheitsmassnahme, da sich die Amis sonst mit den Gläsern die Schädel einschlagen würden. Eine einleuchtende Erklärung, da wir in den Casinos gegen die Sperrstunde zu aus der Distanz die eine oder andere Schlägerei und das Einrücken der (hier allesamt die Statur von Footballspielern habenden) Security zu sehen bekamen. Es scheint als sind die Leute hier viel schneller betrunken als in Europa. Schade eigentlich, denn so endete auch dieser gelungene Abend wieder um kurz vor zwei Uhr morgens. 

Spontane Begegnung mit Anton aus Tirol am Oktoberfest
im Old World German Restaurant, Huntington Beach

Oli macht neue Bekanntschaften im Festzelt

Auch nach dem Auftritt musiziert DJ Ötzi mit der Band aus Bayern weiter

Am folgenden Sonntagmorgen des 07.10 stehen wir leicht verkatert früh auf, denn wir wollen uns den Clasico zwischen Barca und Real Madrid anschauen gehen. Sport Bars gibt’s hier viele, doch oh schreck in Kalifornien beginnen um 10:00 morgens auch die ganzen Footballpartien der NFL. So bekommen wir die Geniestreiche von Messi und Ronaldo in mitten dutzender Footballverrückter nur auf einem ganz kleinen Bildschirm in der Ecke mit. 

Am Nachmittag gingen wir dann auf Einladung von Al nach Venice Beach, wo wir zusammen einen Spaziergang machten und die Attraktionen wie den Skaterpark und die zahlreichen Street Performer anschauten. Venice wirkt etwas verrucht, insbesondere auch da es neben Amsterdam und der Uni Zürich der wohl liberalste Umschlagplatz für weiche Drogen wie Marijuana zu sein scheint. Es läuft jedoch insbesondere am Wochenende sehr viel und beim Besuch wird einem nur schon wegen der zahlreichen lustigen Menschen mit ihren Performances, z.B. auf den Rollerskates, nicht langweilig. Nach diesem coolen Nachmittag in Venice gönnten wir uns später ein Dinner beim Italiener in Redondo Beach und ein paar Bierchen auf unserem Balkon zuhause. Wir waren bereit, um ab Montag wieder Poker zu spielen.

Mit unserem Vermieter Alfred Hans "Al" in Venice Beach

Die Rollerskater in Venice, allesamt Unikate mit viel Unterhaltungswert

An der Promenade von Venice Beach gibt es ein
medizinisches Attest für die Erwerb von Marijuana zu erwerben

Neben den nächtlichen Poker Sessions trugen Oli und ich in der Woche vom 08.10 noch unsere private Challenge aus. Unser Resort hatte sowohl Tennisplätze als auch Pooltische, so würde ich Oli im Tennis herausfordern und er mich im Pool, wobei die Meister der Spiele jeweils mit links spielen mussten. Auf dem Spiel stand ein Sushidinner in einem der besten Sushi Restaurants von Kalifornien. Dieses mussten wir jedoch später im Ota Sushi von San Diego teilen, da sich sowohl Oli im Tennis als auch ich im Pool mit links nicht bezwingen liessen. Nachdem Oli mich 6:1 im Tennis besiegen konnte er den Freeroll nicht nutzen und ich schlug ihn im 8er-Ball auch recht sicher mit 3:1. 

Am Donnerstag, den 11.10 verlassen wir unsere Wohnung in Playa del Rey. Al zeigte sich sehr hilfsbereit und fuhr mit uns und seinem Al’s Landscaping Pickup nach Venice, um unsere Fahrräder zurückzutransportieren. Am Abend würde der nächste Gast einziehen und putzen wollte Al anfänglich, angeheitert von den Resten unseres Wodkas im Kühlschrank (und er kam zudem ja auch aus Venice Beach...), nicht „I don’t have to do anything, it’s clean!“. Naja, wir waren doch drei Wochen hier und so wird er dann zumindest ein wenig doch noch geputzt haben. Nach der Verabschiedung von Al, der mir auf der Fahrt nach Venice noch einige amüsante Stories aus seiner Vergangenheit als Ehemann einer bekannten Darstellerin in der Erwachsenenunterhaltung (er soll auch in einigen Szenen mitgespielt haben) erzählte, zogen wir für eine Nacht ins Commerce, ehe wir am 12.10 nach San Diego weiterfahren würden. 

Letztes Foto mit unseren Mitbewohnern ehe die Reise nach San Diego weitergeht

Wir feiern, chillen und zocken in San Diego und Philip Rivers geht tilt

San Diego, America’s finest city, gefiel uns von Anfang an prächtig! Obwohl es sich um die achtgrösste Stadt der USA handelt, hat San Diego das Flair einer Kleinstadt, hat ganzjährig ein geniales Klima und bietet eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten. Auf dem Weg halten wir in Oceanside und zocken im Ocean’s Eleven Casino. Auch San Diego ist insbesondere aufgrund des sehr bescheiden gebliebenen Spielniveaus ein Paradies für Pokerspieler, obwohl die Casinos hier einiges kleiner sind als in Los Angeles. Der Palomar Card Club in Downtown San Diego hat beispielsweise lediglich acht Tische und schliesst zudem um zwei Uhr morgens. Bis dahin ist für viel Action jedoch garantiert gesorgt.

Am Nachmittag des 13.10 gingen wir ein erstes Mal ins Qualcomm Stadium, Austragungsort zweier Super Bowls in den 90er Jahren, und besuchten das College Football Spiel der heimischen San Diego State Aztecs gegen die Colorado State Broncos.  Am Spiel treffen wir Oli’s Kollegin Michela, die mit einem Tennis-Stipendium an der SDSU studiert und mit der gesamten Tennis-Mannschaft das Spiel besuchte. Die Gäste aus Colorado sind eines der schwächsten Teams im Lande, dementsprechend wurde die Partie sehr zur Freude der anwesenden Studenten, Cheerleader, Bandmitglieder und dem Maskottchen Aztec Warrior zu einem Spaziergang für das Heimteam.  

Michela und Oli am Spiel der San Diego State Aztecs
gegen die Colorado State Broncos

Am Abend ging es nach einem weiteren Steakdinner in den Ausgang im bekannten Gaslamp Quarter. Downtown San Diego ist sehr übersichtlich, sämtliche Bars und Clubs befinden sich im Umkreis von wenigen Blocks. Dies lädt zum Pub- und Clubcrawling ein und wir verbringen den Abend im Irish Pub, der Side Bar und dem Club Stingaree. Wir einigten uns vor diesem Abend, dass ich das Essen und Oli den Ausgang bezahlen würde. Da auch hier um zwei Uhr Sperrstunde ist, wird unsere Abmachung zu einem fairen Deal. Immerhin konnte ich mir so das Anstehen an den Bars ersparen :-)

Am 14.10 gehen wir zum shoppen und Kater-Xbox-Zocken in die Fashion Valley Mall, das grösste Einkaufszentrum von San Diego. Anschliessend ging es in den Palomar Card Club. Sämtliche Warnungen, der Pokerroom befinde sich einer schlechten Gegend und wir würden unangenehme Charaktere dort antreffen, entpuppten sich als völlige Luft. Die Partien sind durch die kompetenten Floormen gut organisiert und die Spieler wie die meisten Leute in San Diego ziemlich laid back.

Am 15.10 geht unsere Shoppingtour weiter, dieses Mal gehen wir ins Las Americas Outlet, welches sich nur 500 Meter von der mexikanischen Grenze und dem berüchtigten Tijuana befindet. Zum Glück finden wir die letzte Ausfahrt in den USA und können uns im Outlet für die letzten Tage in Kalifornien einkleiden, ehe wir voller Vorfreude auf das Profi-Footballspiel der San Diego Chargers gegen die Denver Broncos zurück ins Qualcomm Stadium fuhren. Dieses Monday Night Football Game war eine besonders spannende Angelegenheit, da sich mit Philip Rivers und Peyton Manning, der erst auf diese Saison von den Indianapolis Colts zu den Broncos gewechselt hatte, zwei der besten Quarterbacks der Liga duellierten. Wir hatten super Plätze auf der Gegentribüne, wo gelbblaue und orangebraune friedlich nebeneinander sitzen und viel Lärm machen. Das Qualcomm Stadium ist bestimmt eines der lauteren Stadien in den USA, wenn Peyton Manning zum dritten Down antritt versteht man sein eigenes Wort kaum mehr. Am Anfang sah es nach einem klaren Sieg für das Heimteam aus, die Chargers dominierten die erste Halbzeit und führten scheinbar komfortabel mit 24:0. In der zweiten Halbzeit jedoch die grosse Wende, Peyton Manning, der als einziger Spieler bereits viermal die Trophäe des wertvollsten Spieler der Liga gewann, zeigte seine ganze Klasse und verwertete scheinbar unmögliche Pässe. Auf der anderen Seite ging gar nichts mehr, die Pässe von Philip Rivers wurden mehrmals von der Verteidigung der Broncos abgefangen. Der Star Quarterback der Chargers ging völlig "on tilt", wie wir es in der Pokersprache nennen wenn ein Spieler nicht mehr sein gewohntes Niveau spielt nachdem er einen Beat einstecken musste. Die Chargers verloren das Spiel schlussendlich noch mit 35:24. 

Pre-Game Show vor dem Monday Night Football Game

Die Fans im ausverkauften Qualcomm Stadium sorgen für viel Lärm

Die Chargers können die konfortable Pausenführung von 24:0 nicht halten 
und verlieren gegen Peyton Manning und die Denver Broncos mit 35:24

Währenddem Oli am Nachmittag des 16.10 im Palomar grindete, hatte ich keinen Bock auf Poker und ging auf Sightseeing Tour in San Diego. Den ersten Halt machte ich beim Balboa Park, der mir etwas mysteriös vorkam. Viele Museen, Statuen, jedoch wenig Leute und auch keine erkennbaren Fusswege. Es blieb jedoch mir auch nicht die Zeit den grossen Park, der auch den weltbekannten San Diego Zoo beheimatet, im Detail zu erkunden. So ging es weiter ins Seaport Village, ein gemütliches Einkaufs- und Dinnerdorf in der Hafengegend von San Diego. Danach hole ich Oli ab und nach einem Sushidinner gehen wir folgend auf einem missglückten Ausflug an den Pacific Beach (meine ID wollten sie wieder mal nicht akzeptieren) wieder zum Pubcrawling in den Gaslamp District.

Am 17.10 herrschte herrliches Strandwetter und wir chillten am Nachmittag am Mission Beach, einem gemütlichen Strand mit feinem hellem Sand. Am Abend gingen wir zum Dinner ins Seaport Village und anschliessend ins In Cahoots, ein cooles Lokal, welches an diesem Abend dank Drinks für 2.50 $ prallgefüllt war. Es lief an diesem Abend Countrymusik, jedoch bedeutend modernere wie in Texas (kein Johnny Cash), was das Partyvolk die ganze Nacht zum Tanzen animierte. Ein letzter gelungener Abend in San Diego, ehe wir am nächsten Tag die Rückreise nach L.A. antreten würden. 

Am Mission Beach in San Diego

Party im In Cahoots, wo zu "moderner" Countrymusic
das Tanzbein geschwungen wird

Mein Kalifornienabenteuer war somit kurz vor dem Ende. Die Reise würde anschliessend nach Boston weitergehen, ehe ich zurück nach Europa reisen würde und in London meinen "Sporturlaub" mit dem Footballspiel der Patriots und der Rams abschliessen würde. Der nächste Blog folgt schon bald, so long… Martin


"Just as in business, success in poker is as much about the opportunities to which you say no as to those to which you say yes"
Dusty Schmidt, Professional Poker Player

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