Montag, 26. November 2012

Another Patriots First Down

Ereignisreiche Tage in Kalifornien hatten wir hinter uns. Nach der Rückkehr von San Diego nach L.A. am 18.10.2012 blieben uns lediglich noch zwei Tage, ehe die Reise uns zurück an die Ostküste führen würde. Diese beiden Tage verbrachten wir im Commerce, wo wir uns ein letztes Duell mit den verschiedenen Charakteren an den Pokertischen lieferten. Da wir für den 20.11. einen Morgenflug nach Boston gebucht hatten – bei unserem Rhythmus machte somit ein zu Bett gehen keinen Sinn mehr –  stand am 19.11 ein Pokermarathon bis fünf Uhr morgens an. Dank der Hilfe unserer immer freundlichen und zuvorkommenden Floormen José und Martik durften wir dann die Fahrt zum Flughafen in einer Limousine antreten. In der Limo stand dann für uns auch noch eine Flasche Jack Daniels bereit und wir gönnten uns auf dem Weg zum LAX noch einen letzten Drink.


Von der Limo beim Commerce Casino abgeholt

Boston, eine der lebenswertesten Städte Nordamerikas

Nach dem Flug von Küste zu Küste hiess es als erstes wieder, einen Mietwagen abzuholen. Nachdem ich sämtliche Versuche der Verkäuferin, mir ein Cabrio anzudrehen (in Boston war es doch schon recht herbstlich und zwischen 10 und maximal 20 Grad), abwimmeln konnte, waren wir schlussendlich wieder einmal mit einem Chevi Impala unterwegs. Auf der danach folgenden Fahrt durch die noble Gegend Brookline gefiel uns die ca. 300 km nördlich von New York an der Ostküste Amerikas gelegene Stadt sofort. Boston ist viel europäischer als andere amerikanische Grossstädte. Hier gibt es keine siebenspurigen Autobahnen, sondern schmale Strassen durch im europäischen Stil gebaute Wohngegenden und durch Parke, in welchen die herbstlichen Farben der Laubbäume besonders schön zu Geltung kamen. Stimmt, es gibt ja Jahreszeiten! Das geht schon gerne mal vergessen, wenn man in Südkalifornien weilt, wo praktisch das ganze Jahr über Sommer ist. In Mitten der Innenstadt Bostons liegt der Boston Commons und die ganze Stadt zieren diverse Parkanlagen, welche den Herbst besonders prachtvoll in Erscheinung treten lassen. 

Herbstlicher Blick auf die Innenstadt Bostons

Trotz nur wenig Schlaf gehen wir an Abend noch zum Dinner in die Innenstadt, wo wir uns im französischen Restaurant Pigalle ein Fünf-Gang-Menu und eine Flasche Bordeaux gönnen, ein Genuss! Im Smalltalk erzählt uns die Kellnerin, dass die die Schweiz liebe, da diese speziell für Baumwollunterwäsche bekannt sei. Na dann, nichts gegen unseren Käse und unsere Schokolade, aber ist doch mal eine lustige neue Assoziation :-)

Am 21.10 stand dann für mich ein grosser Höhepunkt an, das erste Live Spiel "meiner" New England Patriots. Die Patriots verfolge ich als grosser Fan seit ich 1997 mein erstes Footballspiel schaute. Ok, ich gebe zu, da Spiel sollte eigentlich eher "Hand Egg" heissen, da mit dem Fuss nur allzu selten gespielt wird und der Football eher einem Rugby-Ei, denn einem Fussball ähnelt. Dennoch, dieses von Taktik, Perfektion und Körpereinsatz geprägte Spiel ist mir in den letzten Jahren nicht zuletzt dank der Patriots ans Herz gewachsen. Damals im Januar 1997 unterlag mein Lieblingsteam noch im Super Bowl den Green Bay Packers und dem legendären Brett Favre (ok, Football kennen nicht alle, aber den Film "There’s Something about Mary" hat doch jeder gesehen, oder?). Seither spielte New England in fünf weiteren Super Bowls und gewannen deren Drei. Auf dem Weg für eine mögliche erneuten Super Bowl im Januar 2013 standen den Patriots an diesem Tag die New York Jets im Wege. Die Jets haben sich in den vergangenen Jahren zu den grossen Rivalen der Patriots in deren Division etabliert, eine besonders brisante Angelegenheit also.

Zum ersten Mal live bei den New England Patriots dabei

Das Stadion der New England Patriots ist in Foxborough, Massachusetts, in Mitten der Einöde Neuenglands gelegen. Symptomatisch hierfür führen vor dem Spiel sämtliche sechs Spuren der Fahrbahn und Gegenfahrbahn in Richtung Foxborough und nach dem Spiel zurück in Richtung Boston. Auf dem Weg zum Stadion sahen wir auf den zahlreichen Parkplätzen die aus der ganzen Gegend Neuenglands - Neuengland umfasst die Bundesstaaten Massachusetts, Maine, New Hampshire, Connecticut, Rhode Island und Vermont - angereisten Fans beim "Tailgaiting". Tailgating ist eine Tradition bei Footballspielen, sich vor dem Spiel zu treffen und in einer gemütlichen Runde für die Partie warm zu trinken. Viele Tailgater hatten auch ihre Barbecues mitgebracht (jetzt weiss ich endlich für was die Amis so grosse Autos brauchen ;-) ) und gönnten sich vor dem Spiel frisch gegrillte Burger, Würstchen, Ribs, etc. Da wir keinen Barbecue dabei hatten, wärmten wir uns in der CBS Bar vor dem Stadion auf, ehe um vier Uhr Ortszeit in der Nachmittagssonne das Spiel los ging.

Foxborough ist seit beinahe zweihundert Spielen der Patriots (pro Saison finden nur deren 16 statt) durchgehend ausverkauft. Dementsprechend mussten wir uns dieses Mal mit Plätzen im dritten Rang, jedoch immerhin in der zweiten Reihe des Sektors, zufrieden geben. Wir machten dort sofort Bekanntschaft mit David, einem der verrücktesten Sportsfans Bostons, und seiner Tochter Genny. David, der regelmässig die Spiele der Patriots, Red Sox und Celtics besucht, ging während der ganzen Partie euphorisch mit „Another Patriots First Down“ „Sanchez, you suck“ (Quarterback der Jets) und „Go PATS“ hiess es immer wieder. Währenddessen genoss seine Tochter gemütlich ein Bud Light („it’s not a good beer, but who cares“). Genny ist zwar erst 20, ihr Vater hatte ihr aber eine gefälschte ID organisiert. So viel zur berühmten amerikanischen Doppelmoral. 


Die Patriots gegen die Jets vor ausverkauftem Haus in Foxborough

Oli und ich mit David, einem der verrücktesten Sportfans
von Boston, und seiner Tochter Genny

Auch Oli und ich fieberten den ganzen Match über mit dem Heimteam mit, was uns im in der Abenddämmerung immer kühler werdenden Stadion warm hielt. Die Partie verlief äusserst ausgeglichen und kurz vor Schluss lagen die Jets nach einem unnötigen Fumble (Ballverlust) der Patriots mit drei Punkten im Vorsprung. Da drehte der Starquarterback Tom Brady auf und die favorisierten Patriots konnten sich in die Verlängerung retten, 29:29 stand es nach vier Vierteln. In der Verlängerung konnten die Patriots zuerst mit einem Field Goal drei Punkte erzielen, die Gäste hatten jedoch noch die Möglichkeit gleich zu ziehen. Die Verteidigung der Hausherren schaffte es aber dann, ein Fumble zu provozieren, und so gewannen die New England Patriots das Spiel gegen ihre Dauerrivalen unter grossem Jubel der rund 68'000 Fans im Stadion mit 32:29.

Die Patriots gewinnen unter grossem Jubel der
aus ganz Neuengland angereisten Fans mit 32:29

Am 22.10 starteten wir frisch ausgeruht eine kurze Sightseeing Tour durch die Innenstadt Bostons. Wir starteten im herbstfarbenen Park Boston Commons und spazierten durch die historischen Gegenden, wo einst die Einwanderer aus Europa die Besiedlung Amerikas begannen.

Oli spaziert entlang des mit roter Farbe gekennzeichneten,
durch die historischen Sites führenden Walk of Freedom

Nach dem Sightseeing verabschiedete ich mich von Oli, der mit einem Freund noch einige Tage in Boston bleiben würde. Meine Reise ging weiter in Richtung JFK Flughafen, wo mein Amerikatrip acht Wochen früher begonnen hatte. Über Nacht besuchte ich noch das Foxwoods Resort in mitten der Indianerprärien Connecticuts. Im Foxwoods wird jährlich die World Poker Tour gespielt, das Casino wirbt denn auch mit dem grössten Pokerraum an der Ostküste.

Gezockt werden kann im Foxwoods in der Tat, die Blinds reichen bis zu 5/10. Jedoch war die Action zumindest an diesem Abend in keiner Weise vergleichbar mit derjenigen in Kalifornien. So spielte ich nur einige Stunden und schaute mir am Morgen des 23.10 noch den Resort an. Lange hielt ich mich jedoch nicht mehr auf, da ich für den zu erwartenden Stau in der New York Area schlauerweise einige Zeit einkalkulierte. So kam ich rechtzeitig für meinen Heimflug an und durfte mir vor der Abreise am Flughafen noch ein paar Bierchen gönnen. Der Flug verging dann anschliessend auch ziemlich schnell und ich freute mich ein paar Tage zuhause zu verbringen, ehe die Reise ans nächste Patriots Spiel weitergehen würde.

Zuhause am wunderschönen Zürisee


Zurück in die Olympiastadt

Nachdem ich mich drei Tage lang in meinem Zuhause in Zürich erholen konnte, ging es am 27.10. weiter nach London. In der diesjährigen Olympiastadt hatte ich schon im August während der Spiele einige Tage verbracht und mir zusammen mit meinem Kumpel Ash Veranstaltungen im Beachvolleyball, Basketball, Fussball und Taekwondo angesehen. Das besondere Feeling der olympischen Spiele war inzwischen vergangen, jedoch ist London allemal immer noch eine Reise wert.

Nach der Anreise ging es direkt weiter nach dem ca. eine halbe Stunde von London entfernten Reading, wo ich bei Ash für die nächsten zwei Tage wohnen durfte. Im ca. mit 150'000 Einwohnern bevölkerten Vorort von London war bei der Ankunft viel los, da der FC Reading seit dieser Saison in der Premier League spielt und das Spiel gegen Fulham (2:2) gerade zu Ende gegangen war. Durch die Menschenmassen bahnten sich Ash und ich den Weg in Richtung Abendessen beim Asiaten, ehe wir zuhause mit Ash’s Eltern Sue und Keith auf die gute englische Art vor dem schlafen gehen einen Tee tranken. 

Am nächsten Morgen des 28.10 gingen wir früh los in die Stadt und gingen zuerst in den Shepherd’s Bush, ein modernes Shopping Center in der Peripherie der Innenstadt Londons. In der U-Bahn trafen wir überall schon viele Football Fans. Diese waren aus allen Teilen Grossbritanniens angereist und ebenfalls war eine Vielzahl an Fans der Patriots aus der Gegend von Boston für das Spiel ihrer Lieblinge angeflogen.

Wenige Stunden vor dem Spiel zogen wir weiter in Richtung Wembley Stadion, eine grosse Tailgating Party war angekündigt. Diese hatte jedoch mit dem amerikanischen Vorbild wenig zu tun, denn es war schon mal kein BYOB erlaubt und noch dazu schien die Schlange für ein Budweiser fast bis zum Hyde Park zu reichen. Sogar für Bud Light, welches die Engländer im Normalfall nie trinken würden („we would prefer Bud Heavy“), standen noch viele Leute an. Daher gleich mal ab ins Stadion, wo wir mit Bier und Burger versorgt wurden.


Auf dem Weg zum Wembley Stadion mit
Rob "Polish for Touchdown" Gronkowski

An der Tailgating Party vor den Toren des Wembley

Das Stadion füllt sich und Ash und ich sind bereit,
unsere Pats lautstark zu unterstützen


Die Veranstaltung begann mit einer Pre-Game Show der Gruppe Train und der Aufführung der Nationalhymnen, wozu die Zuschauer das Wembley mit den Flaggen der USA und Englands schmückten. Dann konnte der Football-Abend beginnen. Das Spiel wurde zur grossen Show der Patriots, die Rams wurden von Tom Brady und seinen Jungs von Anfang an an die Wand gespielt. Auch hatten die Pats die Mehrheit der Zuschauer hinter sich, obwohl die Rams offiziell als Heimteam galten. Einerseits aufgrund der zahlreichen angereisten Fans aus der Gegend Boston, andererseits hatten auch viele Briten ihre Sympathien bei den Patriots („we like everything that has England in it’s name“). Die Stimmung war gut, jedoch nicht vergleichbar mit den USA. Das Highlight an diesem Abend war ganz bestimmt die Glanzleistung der Offense der Patriots, die schlussendlich ihre Gegner aus St. Louis mit 45:7 vom Platz fegten. 

Die Pre-Game Show mit der Gruppe Train

Die Zuschauer schmücken das Wembley mit den
Flaggen Grossbritanniens und der USA

Die Patriots gewinnen überlegen gegen die Rams mit 45:7

Am 29.10 verabschiedete ich mich dann von Ash und seinen Eltern und zog für einen Tag nach Central London. Nach einem Nachmittagsspaziergang durch Covent Garden und Leicester Square ging ich mir dort das neu eröffnete Hippodrome Casino anschauen. Das Hippodrome war früher ein Club und ich mag mich erinnern, vor fast 15 Jahren auf Schulreise mit meiner Maturaklasse dort zu Musik der 70-er und 80-er Jahre getanzt zu haben. Nun war die Location aber in einen grossen neuen Spieltempel umgebaut worden. Der Pokerraum ist in der vierten Etage gelegen und ist stilvoll eingerichtet. Gespielt wurde jedoch nur 1/2 und dies auch noch eher tight. Lange hielt ich mich deshalb nicht im Hippodrome und verbrachte den Rest des Abends im Victoria Grosvenor Casino, besser als "The Vic" bekannt. Das Vic ist für mich nach wie vor der Ort zum Pokern in London, bietet es doch eine Vielzahl von Spielen in verschiedenen Levels und zeitweise auch haufenweise Action.

Am 30.10 flog ich dann wieder nach Hause nach Zürich. Ich hatte einige Tage in meiner Heimat vor mir und freute mich, dort meine Freunde und Familie wieder zu treffen. Ebenso stand am 01. November die Eröffnung des Casino Zürich an und mein erstes "Heimspiel" wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Am 11.11 würde dann die Reise weitergehen. Das Ziel wird dieses Mal das ferne Asien sein, ein von mir bisher noch nicht erkundeter Erdteil. Der nächste Bericht wird bald folgen! So long… Martin

"Winning is not a sometime thing, it's an all the time thing."
Vince Lombardi, legendärer Football Coach




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