Mittwoch, 19. September 2012

Lifestyle im Big Apple und Gambling in Atlantic City

Wenn einen das Reisefieber packt

Wenige Monate ist es her seit ich mich entschlossen habe, dem 9-to-5 bzw. 8-to-open end Leben vorläufig zu entfliehen. Inzwischen hat mich das Reisefieber voll gepackt und ich zog am Vormittag des 27. August 2012 Richtung Flughafen Kloten los. Nach einem ersten Bierchen boardete ich mit Susana, meiner besten Arbeitkollegin aus EY-Zeiten, und Michael, ihrem Verlobten, die SWISS mit dem Ziel New York City. Der Flug verging schnell mit Rotwein und Smalltalk mit meinem Sitznachbar, dem New Yorker DJ Dee NYC, der gerade von seinem Heimatbesuch in Mazedonien nach NY zurückflog. Ein Kontakt welcher sich später noch nützlich erweisen würde…

Nach der Ankunft ging es mit Michael, der in New York arbeitet, zum Einkaufen beim Trader Joe’s, eine Art Aldi upgegradet mit einer gewissen Lifestyle Komponente, und anschliessend zum Abendessen beim Italiener. Zum Glück überwand ich als Pokerspieler den Jetlag ohne Probleme und fand nahtlos den Übergang von den 2pm to 5am Tagen in der Schweiz zu den 8am to 12pm Tagen in NYC :-)

Discovering New York City

Am 28.08.12 begann ich begleitet von meiner kompetenten Tourist Guide Susana schon früh mit einer ausgiebigen Sightseeing Tour durch Manhattan. Wir begannen im Central Park, eine riesige Parkanlage welche von zahlreichen Rangern gut bewacht wird (ja nicht an einen Baum pinkeln sonst könnte die nächste Einreise in die USA bereits erschwert sein...), und marschierten von dort weiter Richtung 5th Avenue, Empire State Building und den ganzen anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt entlang. 

Der Central Park mit der Skyline von Manhattan im Hintergrund

Das Flat Iron Building, bekannt aus dem Spiderman Film

Nach einem Spaziergang dem Hudson River entlang gelangten wir schlussendlich in den Finacial District wo aktuell das neue World Trade Center mit vier Türmen und einem von Stararchitekt Francisco Calatrava (der unter anderem den Bahnhof Stadelhofen und die RWI Bibliothek an der Uni Züri designte) entworfenen Transportation Hub gebaut wird. Eindrücklich war ein Besuch beim Ground Zero, wo entlang der mit Wasserfällen verzierten Grundrisse der ehemaligen Twin Towers in Gedenken der Opfer deren Namen eingraviert sind.

9/11 Memorial am Ground Zero 

Der grösste der vier neuen WTC Türme misst 541 Meter
und ist im Bau weit fortgeschritten

Müde vom langen Spaziergang gönnte ich mir zuhause ein Bierchen (danke Susi, dass mich dra erinneret häsch dassi zwenig trunke han a dem Tag ;-) ). Nach dem Abendessen beim Franzosen (Michael und Susana kennen zu meiner Freude die guten Restaurants in NYC) ging es dann in die Press Lounge, eine Rooftop Bar mit imposanter Aussicht über die Skyline von Manhattan, wo wir uns zur Feier des Tages einen Cocktail gönnten.


Dinner beim Franzosen mit Rindsfilet und Moules

The Press Lounge, Rooftop Bar mitten in Manhattan

Aussicht auf die Skyline von Manhattan von der Press Lounge

Am 29.08.12 war dann ein Besuch beim Baseball Spiel der berühmten Yankees in der Bronx angesagt (danke Michi und PwC fürs organisiäre!). Wir fuhren mit der U-Bahn praktisch direkt ins Stadion (müssten sie 5 Minuten zu Fuss gehen würden die Amis das Auto nehmen…) und rüsteten uns mit den notwendigen Fanartikeln aus. Das Yankee Stadium ist bestimmt eines der imposantesten und traditionsreichsten Sportstadien der Welt. Zu sehen bekamen wir das Spiel des Yankees gegen die Toronto Blue Jays und beim Heimteam hatten wir zudem das Glück Starpitcher C.C. Sabathia (der verdient ca. 20 Kisten im Jahr und muss trotzdem nur in etwa alle fünf Tage zur Arbeit ;-) ) zu bestaunen. Neben dem Spiel gab es en Masse Hot Dogs, Pop Corn, Bier und Soda; es schien als ob ein Grossteil der Besucher mehr wegen des sozialen Aspekts (another excuse to eat junk food) denn wegen des Spiels selbst angereist sind. So bleibt es auch eine Randnotiz dass die Yankees das Spiel gegen ihre Rivalen aus Kanada verloren.


Vor dem Yankees Stadium, ready for the game

Das imposante Stadion von unseren Sonnenplätzen aus

Der japanische Star der Yankees Ichiro Suzuki at bat

Am 30.08.12 blieben wir nach einem Besuch am Times Square und Shopping im Macy’s, dem grössten Einkaufszentrum der Welt – welches aktuell anbaut um diesen Status auch bei der aufkommenden Konkurrenz in Asien behalten zu können – dem Motto Passivsport treu. Diesmal gings zum Tennis, ich hatte Tickets für die Night Session am US Open mit dem grossen Roger Federer organisiert! Das Arthur Ashe Stadium ist gigantisch und bot neben der eindrucksvollen Show unseres Schweizer Weltstars (er liess seinem deutschen Kontrahenten B. Phau in drei Sätzen keinen Stich) auch noch Aussicht auf den Sonnenuntergang über der Manhattan Skyline. Roger Federer ist in den USA enorm beliebt, so lichteten sich auch die Mengen für das nachfolgende Ladies Match zwischen Venus Williams (USA) und Angelique Kerber (GER), welches wir somit aus noch besseren Plätzen im 2. Rang bestaunen konnten.

Meine kompetente Tourist Guide und E&Y prominent
am Times Square platziert

Im Arthur Ashe Stadium, Center Court der US Open
mit Kapazität für über 22'000 Zuschauern

Auch Susana und Michael genossen die Roger Federer Show
und die Aussicht auf die Skyline von Manhattan

Roger Federer setzt zum Smash an

Das Damenmatch von Venus Williams und Angelique Kerber
aus noch besserer Perspektive


Am 31.08.12 begleitete mich meine Stilberaterin Susana zum grossen Shopping Vergnügen in den Woodbury Outlets im Norden von New York, die gegen 400 Markenläden bieten. Eingekleidet für zwei Monate USA fuhren wir zurück nach Manhattan, wo ich mich nach einem Sushi Dinner von Susana und Michael verabschiedete und mich auf den Weg Richtung Atlantic City, dem Las Vegas der Ostküste, machte.

Für die Strecke nach Atlantic City und die dortigen Fahrten von Casino zu Casino mietete ich mir einen Wagen der Klasse Fullsize. Statt einer sportlichen Limousine war jedoch nur ein Familienauto, ein Mazda CX7 mit zwei Sitzreihen hinten, für mich verfügbar. Zudem trug dieses das Kennzeichen des Bundesstaates Ohio. Nun ja, so hatte ich wenigstens völlige Narrenfreiheit, Familienschippe aus Ohio in New York, das muss so was wie Appenzeller in der Zürcher Innenstadt sein…

Eingekleidet für 2 Monate USA

Sushi Dinner mit Susana

Meine Tarnung auf den Strassen von New York


Poker in Atlantic City

Atlantic City mit dem berühmten Boardwalk am Meer, am welchem mein Vater vor über 50 Jahren schon spazierte, war für die nächsten 6 Tage mein Zuhause. Zugegeben, zwischen Martin Sr. und Martin Jr.’s Besuch hat sich wohl das einte oder andere Hotel, der einte oder andere Shop und die Fassaden am Boardwalk nicht viel weiterentwickelt (it’s not Las Vegas!), dennoch genoss ich jeden Tag nach dem Frühstück in Starbucks (seit ich in den USA reise liebe ich Starbucks; Kaffeegeniesser können dies bestimmt nachvollziehen denn zumeist gibt’s in den USA sonst nur Spülwasser) die Morgen- (oder besser gesagt Nachmittags… ich hatte inzwischen meinen 2pm to 5am Rhythmus wieder gefunden) -spaziergänge am Boardwalk mit dem Rauschen des Meeres im Hintergrund. Anschliessend war ich fit für die tägliche Pokersession. 


Am berühmten Boardwalk von Atlantic City

Aussicht aufs Meer aus meinem Hotelzimmer

Die Tage in Atlantic City verbrachte ich denn auch mit ca. 8-10 Stunden Poker täglich, zumeist im Borgata Resort, wo ein moderner Pokerraum mit 85 (!) Tischen, bekannt aus dem Film Rounders, das Herz aller Zocker und Grinder höher schlagen lässt. Im Borgata gab es zudem gleich nebeneinander ein Illy Café und einen Starbucks, womit für die nötige Dosis Koffein gesorgt war. 

Ich möchte nun nicht mit Stories über Bad Beats und grosse Gewinne langweilen. Stattdessen für meine Tage in Atlantic City eine Beschreibung der Spielertypen, welche man gewöhnlich an einem Pokertisch in den USA antrifft:

  • Der Rentner: Sehr höflich, gesprächig und freut sich wenn man ihn fragt wie’s geht. Wird meist gegen Ende Nachmittag von seiner Frau abgeholt (die sich notabene freut dass er ein cooles Hobby gefunden hat) und weiss nach dem Showdown immer genau welche Karten der andere hatte („That’s the only thing you could have had“). Natürlich… 
  • Der Rapper: Quatscht andauern im Slang und endet jeden Satz mit doooooooooo; oder heisst das dooooooooog? (I knew u had the straight doooooooooo… I’ll have another beer doooooooooo… Did u just see that hot waitress walking by dooooooooo…).
  • Der Asiate: Trägt häufig Sonnenbrille, ruhig und freundlich, kann jedoch versuchen dich mit seinem irreführenden Lächeln aus dem Konzept zu bringen.
  • Das Babyface: Typ Informatiker, Brille, lange Haare, bleich, trägt kurze Hose und T-Shirt und wirkt gerne Besserwisserisch. Der kriegt von mir keine Action.
  • Der Inspektor: So genannt da er mich an Inspektor Tarconi aus dem Film Transporter erinnerte. Immigrant aus Europa, spricht mit französischem oder italienischem Akzent. Trägt Hawaiihemd und ist Garant für Action am Tisch!
  • Machete's Bruder: Latino, mit grossen Tattoos, Schnauz und Zahnlücke.
  • Der "Vaporizer": Mein besonderer Liebling. Bestellt am Anfang der Session einen Whisky oder Cognac und den Rest des Abends stellt sich die Frage trinkt er den mal aus oder verdunstet er vorher? :-) Scheinbar gibt es wirklich Leute, die ihm abkaufen dass er ein Trinker ist, für mich einfach nur billig…
  • Der Made Man: Meistens gegen Ende 40 oder Mitte 50. Erzählt interessante Geschichten aus seinem Leben. Kann aber auch Turnschuhe, kurze Hose und lange weisse Socken tragen…
  • Der Bookie: Trinkt den ganzen Abend Goose und Red Bull, ist gesprächig und schaut gespannt auf die vielen TVs mit den Sportanlässen: "Everyone bet the unders I bet the overs any team score another touchdown". Ich mag Sportwetten und hab die letzten 15 Super Bowls verfolgt (diejenigen die mit mir auf TA gearbeitet haben, werden sich an so manchen müden Februarmorgen erinnern…), hier verstehe ich jedoch nur Bahnhof. In Amerika ist halt doch so einiges ein wenig anders…
  • Der Pokertourist: Trägt einen Hoodie oder T-Shirt der World Series oder World Poker Tour. Tendentiell eher schwächerer Hobbyspieler, auch Pros tragen jedoch gelegentlich besondere Outfits.
  • Der Shark: Zu guter Letzt der Spielertyp mit welchem man die Konfrontation lieber vermeidet. Kann in verschiedenen Formen auftreten, in einer der obigen Kategorien, ganz unauffällig oder übergewichtig mit riesen Kopfhörern die den noch grösseren Kopf nicht zu verdecken vermögen. Gemeinsamkeit: Er verdient sein Geld mit Pokerspielen und kann deine Spielzüge besser lesen als die anderen Exponenten. Sei auf der Hut! 
Fotos dürfen bekannterweise in Casinos und Card Rooms nicht gemacht werden. Deshalb anstelle von Bildern der Spruch der Woche zum Thema Poker: "The less you know, the more you win. The more you know, the less you lose". Hat irgendwie was…

Back to New York City

Am 06.09.12 machte ich mich auf den Weg zurück nach New York und traf am Flughafen meinen ehemaligen Arbeitskollegen Pascal, der mich in den kommenden zwei Wochen auf dem Roadtrip durch die USA begleiten würde. Dank unserer Corporate Benefits durften wir die zwei Tage in NYC mit einem Apéro in der Concierge Lounge im 36. Stock des Mariott Downtown NYC beginnen. 

Aussicht aus der Concierge Lounge mit der Freiheitsstatue
rechts am Bildrand

Aussicht auf Brooklyn in der Abenddämmerung


Nach dem Apéro ging es zum Burger-Dinner im 5 Napkin Burger (dieser heisst so da es fünf Servietten benötigt um den Burger zu halten) und anschliessend startete das nicht ganz Simple Projekt "Suche nach einer Partylocation in New York". Auf unserem Spaziergang durch Manhattan kamen wir mitten in einen grossen Riot mit vielen "Rappern" (What happened here doooooooo… Man gotta check this out dooooooooo) und omnipräsenter Polizei (Go back this way!). Real New York City at night! Anschliessend endeten wir im Meatpacking District, wo sich in den In-Clubs gerade die Models der NY Fashion Week ihre Feierabendcocktails gönnten. Leider war jedoch in jedem Club Private Party (als ob wirs nicht gewusst hätten ;-) ) und so gönnten wir uns ein paar Bierchen in einer Bar und gingen anschliessend schlafen.

Am 07.08.12 starteten wir mit einem zweistündigen Powersightseeing in New York. Anschliessend machten wir uns bereit für ein Dinner im Keen’s Steakhouse. Wir gönnten uns je ein 12oz signature Rindsfilet, was wir auch nicht bereuten. Eines der zartesten, saftigsten Stücke Rindfleisch das wir je gegessen haben. Da waren wir gleich bester Laune und bereit für die Party! Hmm Party, da machten wir doch am Vorabend schlechte Erfahrungen mit Türstehern. Aber stimmt, ich hatte ja im Hinflug noch DJ Dee NYC kennengelernt. Den kontaktierte ich auch gleich. Er legte zwar an diesem Abend nicht auf, gab mir jedoch die Telefonnummer von "Francis", einem "Promoter". Francis lud uns dann in den Club Skyroom mitten in Manhattan ein: "Three guys. No problem, join me at Skyroom tonight. Just say at the door you’re with Francis. You’re gonna have a good time". So trafen wir uns mit Michael und machten uns nach einem Bierchen im Hardrock Café am Times Square auf in den Skyroom. Vorweggenommen, das Phänomen Francis würden wir nie kennenlernen, der Abend wird uns jedoch in bester Erinnerung bleiben. Vorbei an der ganzen Warteschlange zum Türsteher: "Francis invited us to join" und schon wurden wir von einer attraktiven Hostess in einen der angesagtesten Rooftopclubs von New York begleitet. Es erwartete uns dort oben atemberaubende Aussicht auf die Skyline von Manhatten, zeitgemässe House- und Dancefloormusik vom Feinsten und ein Frauenanteil von ca. 60 – 70 %. Ohne Francis kommen Männer hier nicht rein… 




Die New York Stock Exchange

Fleischgenuss im Keen's Steakhouse

Aussicht aus dem Skyroom

Einige Stunden später machten wir uns nach dutzenden Songs, einigen Gin Tonics und vielen interessanten Gesprächen müde aber zufrieden auf den Heimweg. Mein New York City Abenteuer nahm hiermit ein Ende, am nächsten Tag würde die Reise nach Austin, Texas weitergehen von wo aus Pascal und ich einen Roadtrip entlang der Route 66 in Angriff nehmen würden. Diesen Blog schreibe ich gerade mit Aussicht auf die Bellagio Fountains und den Strip von Las Vegas. Fortsetzung folgt also bestimmt! So long…
Martin


“Horse sense is the sense a horse has which keeps it from betting on people.” 
W.C. Fields, US Actor (1880 – 1946)




1 Kommentar:

  1. Mega cooler Blog, freu mich auf den nächsten!! :-)

    Liebe Grüsse und weiterhin gute Reise

    Sandro

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